Richtlinien zur Durchführung

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Richtlinien zur Durchführung der
 
Jugendleistungsprüfung
 
für die Feuerwehren Bayerns


I. Umfang der Leistungsprüfung


Die Jugendleistungsprüfung wird in einer Stufe abgelegt. Sie besteht aus 5 Einzel- und 5 Truppübungen und der Beantwortung von Testfragen.

II. Zweck der Leistungsprüfung


Die Leistungsprüfung dient zum Nachweis der Grundkenntnisse der Feuerwehr- Dienstvorschrift 4 (FwDV 4) "Die Gruppe im Löscheinsatz", der Gerätekunde und der Unfallverhütungsvorschriften. Ohne gründliche Ausbildung jedes einzelnen Teilnehmers gem. Musterausbildungsplan für Feuerwehranwärter (vgl. Leitfaden für die Jugendarbeit der Feuerwehren Bayerns) ist die Beteiligung an der Leistungsprüfung zwecklos. In der vorbereitenden Ausbildung liegt der Hauptwert der Leistungsprüfung. Ihr Ziel ist nicht die "Rekordzeit", sondern die Leistung des Einzelnen, bzw. des Trupps, die sich aus Arbeit und Zeit zusammensetzt. Die Arbeit der Teilnehmer soll zwar schnell, aber auch geordnet und möglichst fehlerfrei ablaufen. Um das zu erreichen, wird für die Übung eine ausreichend bemessene Sollzeit festgelegt. Wird diese überschritten, werden Fehlerpunkte angerechnet. Auch bei nicht fehlerfreier Ausführung werden die Teilnehmer mit Fehlerpunkten belegt. Wird die Höchstzeit überschritten, ist nach Abschnitt IX, Abs. 6, zu verfahren.

III. Teilnahmebedingungen


  1. Um die Abnahme der Leistungsprüfung können sich alle Feuerwehranwärter (vom vollendeten 14. bis 18. Lebensjahr) bewerben.
     
  2. Die persönliche Ausrüstung jedes Teilnehmers muss – innerhalb der zur Abnahme angetretenen Mannschaft einheitlich – umfassen:
    1. Feuerwehrhelm mit Nackenschutz (für Feuerwehranwärter bis zum 16. Lebensjahr Jugendfeuerwehrhelm, vgl. Leitfaden für die Jugendarbeit der Feuerwehren Bayerns).
    2. Übungsanzug für die Feuerwehranwärter (vgl. Leitfaden für die Jugendarbeit der Feuerwehren Bayerns).
    3. Feuerwehrstiefel (für die Feuerwehranwärter bis zum vollendeten 16. Lebensjahr auch festes Schuhwerk ausreichend).
    4. Feuerwehr-Schutzhandschuhe.
       
  3. Die Teilnahme ist auch für Feuerwehranwärter von Feuerwehren möglich, die über keine vollständige Feuerwehrjugendgruppe verfügen.
     
  4. Es dürfen nur Geräte verwendet werden, die den einschlägigen Normen und Unfallverhütungsvorschriften entsprechen.

IV. Durchführung der Leistungsprüfung


  1. In den Landkreisen ist der Kreisbrandrat, in den kreisfreien Städten der Stadtbrandrat bzw. Leiter der Berufsfeuerwehr (in der Folge mit dem Sammelbegriff Kreisbrandrat bezeichnet) für die ordnungsgemäße Durchführung der Leistungsprüfung verantwortlich. Sie wird von zwei Schiedsrichtern und einem Zeitnehmer abgenommen.
     
  2. Der Kommandant der Feuerwehr, der die Feuerwehranwärter abgehören, meldet die Teilnehmer beim Kreisbrandrat an. Die Teilnehmer können mehreren Feuerwehren angehören. Der Kreisbrandrat bestimmt Abnahmetermin und Abnahmeort, benennt Schiedsrichter und Zeitnehmer. Die zur Durchführung der Leistungsprüfung notwendigen Unterlagen und Abzeichen erhält der Kreisbrandrat von den Fachberatern für Brand- und Katastrophenschutz bei der jeweiligen Regierung. Der Kreisbrandrat stellt das Formular für die Abnahmeniederschrift dem Kommandanten zur Verfügung.
    Feuerwehr außerhalb Bayerns melden die in Frage kommenden Teilnehmer beim Landes-Jugendfeuerwehrwart der Jugendfeuerwehr Bayern an, der das Weitere veranlasst. Sie haben vor Ablegen der Leistungsprüfung die Antretegenehmigung ihres zuständigen Landesfeuerwehrverbands vorzulegen.
     
  3. Für die Leistungsprüfung werden in die Abnahmeniederschrift Vor- und Zuname und Geburtsdatum der Teilnehmer sowie die Feuerwehr(en), der (denen) sie angehören, in Maschinen- oder Druckschrift eingetragen. Der Kommandant bestätigt die Richtigkeit der Angaben.
     
  4. Für die Abnahme der Leistungsprüfung ist ein geeigneter, ebener Platz zu wählen. Für das Zusammenkuppeln einer 90 m langen C-Leitung (Abschn. VII Nr. 5) muss eine mindestens 100 m lange ebene Strecke ohne Stolper- und Gleitstellen zur Verfügung stehen. Es sind zu kennzeichnen:
    1. Wurffeld 2 m x 8 m zum Auswerfen eines doppelt gerollten C-Schlauchs (Abschn. VI Nr. 4) durch eine Startlinie und 2 seitliche Begrenzungslinien (vgl. Skizze 4),
    2. Wurfstrecke für den Zielwurf mit einer Fangleine (Abschn. VI Nr. 5) durch eine Startlinie und eine 7 m entfernte Ziellinie, dargestellt durch 2 Pfosten im Abstand von 1 m (vgl. Skizze 5),
    3. Spritzstrecke für das Zielspritzen mit der Kübelspritze (Abschn. VII Nr. 3) durch die Ausgangsstelle des Trupps vor Beginn der Übung, der Kübelspritze und des Ziels sowie der Endstellung (vgl. Skizze 8),
    4. Aufgabenfeld für das Erkennen und Zuordnen von wasserführenden Armaturen und Zubehör (Abschn. VII Nr. 4). Die Felder 2 bis 5 sind zu kennzeichnen mit Schildern (vgl. Skizze 9): Entnahme, Fortleitung, Abgabe und Kupplungen/ Zubehör.
       
  5. Beim Anlegen eines Mastwurfs unter Verwendung einer TS (Abschn. VI Nr. 1) wird die TS dem Löschfahrzeug oder dem TSA entnommen. Aus Gründen des Unfallschutzes dürfen dazu keine Personen unter 18 Jahren eingeteilt werden. Wird die TS auf der ausziehbaren oder ausklappbaren Lagerung des Löschfahrzeugs oder des TSA abgestellt, müssen TS und TSA gesichert sein.
     
  6. Eine Störung der Leistungsprüfung durch Zuschauer oder andere Teilnehmer ist zu verhindern.
     
  7. Es ist dafür zu sorgen, dass die Leistungsprüfung nicht zu einem Wettbewerb ausartet, der dem Sinn der Leistungsprüfung widersprechen würde.
     
  8. Bei den Truppübungen findet keine Auslosung der Funktionen statt. Die einzelnen Trupps können nach freier Wahl zusammengestellt werden.
     
  9. Die Testfragen werden ausgelost.

V. Ablauf der Leistungsprüfung


  1. Auf den Befehl des Jugendwarts oder eines dazu Beauftragten treten die Feuerwehranwärter zur Leistungsprüfung grundsätzlich am Fahrzeug an.
     
  2. Der Jugendwart bzw. der dazu Beauftragte meldet sodann dem Schiedsrichter 1 die zur Leistungsprüfung angetretenen Feuerwehranwärter.
     
  3. Nach der Meldung ruft der Schiedsrichter 1 die Teilnehmer auf und überprüft die Angaben zur Person auf Übereinstimmung mit den Eintragungen in der Abnahmeniederschrift.
    Der Schiedsrichter 2 überprüft unterdessen, ob die Geräte vollständig vorhanden sind, der Zeitnehmer überzeugt sich von der Richtigkeit der Kennzeichnungen.

VIII. Theoretische Prüfung


Nach Abschluss der praktischen Übungen der Leistungsprüfung wird die theoretische Prüfung durchgeführt. Sie besteht in der Beantwortung von Testfragen.
Bei Ausgabe der Testblätter an die Teilnehmer ist folgendes zu beachten: Der Schiedsrichter 1 hält die erforderliche Anzahl von Testblättern vor Beginn der theoretischen Prüfung gefächert im gefalteten Zustand bereit. Die Teilnehmer ziehen jeweils ein Testblatt.

Falsche oder nicht beantwortete Fragen sowie Zeitüberschreitung werden gemäß Bewertungsblatt mit Fehlerpunkten belegt.

Sollzeit für die Prüfung: 5 Minuten
Höchstzeit: 10 Minuten
Sollzeitüberschreitung (6 - 10 Min.), je Min.: 1 Fehlerpunkt

IX. Tätigkeit der Schiedsrichter und Zeitnehmer


  1. Der Kreisbrandrat kann geeignete Feuerwehrdienstleistende als Schiedsrichter und Zeitnehmer bestimmen. Schiedsrichter und Zeitnehmer müssen einen Schiedsrichterlehrgang an einer Landesfeuerwehrschule mit Erfolg besucht haben.
     
  2. Der Kreisbrandrat kann Zeitnehmer, die in seinem Beisein oder im Beisein eines vom ihm Beauftragten an mindestens 5 Abnahmen von Leistungsprüfungen mitgewirkt haben, als Schiedsrichter bestellen. Die Bestellung als Schiedsrichter bestätigt der Kreisbrandrat auf dem Zeugnis über den erfolgreichen Besuch des Schiedsrichterlehrgangs. Diese Bestätigung ist der Schiedsrichterausweis und berechtigt zur Abnahme der Leistungsprüfungen aller Stufen als Schiedsrichter und Zeitnehmer.
     
  3. Der Kreisbrandrat kann Schiedsrichter und Zeitnehmer abberufen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Ein wichtiger Grund liegt insbesondere vor, wenn gröblich gegen die Richtlinien zur Durchführung der Leistungsprüfung oder gegen Unfallverhütungsvorschriften verstoßen wurde. Der Kreisbrandrat vermerkt die Abberufung auf dem Schiedsrichterausweis, der ihm vom Abberufenen hierfür vorzulegen ist.
     
  4. Wenigstens ein Schiedsrichter darf bei der Abnahme der Leistungsprüfung nicht der teilnehmenden Feuerwehr angehören.
     
  5. Bei sämtlichen Übungen beginnt die Zeitmessung beim Kommando "Zur Übung fertig". Es wird bei allen Übungen vom Schiedsrichter 2 gegeben. Die Zeitmessung erfolgt durch die Zeitnehmer und Schiedsrichter 1 (2 Stoppuhren erforderlich). Bei Zeitunterschieden wird das Mittel beider Messungen gewertet. Fehler- und Zeitbekanntgabe während der Abnahme sind nicht zulässig.
     
  6. Der Schiedsrichter 1 bearbeitet das Bewertungsblatt. Bei den Truppübungen werden Fehler beiden Teilnehmern angerechnet. Wird eine Übung innerhalb der Höchstzeit nicht zum Abschluss gebracht, werden alle für die jeweilige Übung möglichen Fehlerpunkte angerechnet.
     
  7. Rechenbeispiel (Einzelübung):
    Anlegen eines Mastwurfs
    Sollzeit: 10 Sekunden
    Höchstzeit: 15 Sekunden
    gestoppte Zeit: 18 Sekunden
    Bewertung:
    Falsches Anlegen = 5 Fehlerpunkte
    Fehlen des freien Endes
    bzw. Ende nicht mind. 3 m lang
    = 2 Fehlerpunkte
    Sollzeitüberschreitung (11 - 15 Sek.) = 5 Fehlerpunkte
    Gesamtfehlerzahl = 12 Fehlerpunkte

  8. Schiedsrichter 2 und Jugendwart bzw. der dazu Beauftragte überprüfen jeweils die geschlossenen C-Kupplungen (Kreidestrich über beiden Kupplungen).
     
  9. Nach Abschluss der Leistungsprüfung erfolgt die gesamte Auswertung. Das Ergebnis wird in die Abnahmeniederschrift eingetragen.
    Die Leistungsprüfung ist bestanden, wenn nicht mehr als 35 Fehlerpunkte festgestellt werden. Sie kann am gleichen Tag wiederholt werden, wenn nicht mehr als 50 Fehlerpunkte bewertet wurden. Andernfalls kann die Leistungsprüfung erst nach Ablauf einer Wartezeit von 2 Wochen wiederholt werden.

X. Jugendleistungsabzeichen


  1. Das Jugendleistungsabzeichen wird in einer Stufe verliehen und ist das sichtbare Zeichen für die erfolgreiche Ablegung der Jugendleistungsprüfung. Es besteht aus dem Feuerwehrwappen mit zwei Flammenflügeln und wird über der rechten Brusttasche getragen. Soweit die den Feuerwehranwärtern zur Verfügung gestellte Dienstkleidung keine rechte Brusttasche aufweist, wird das Jugendleistungsabzeichen stets in gleicher Höhe getragen.
     
  2. Hat der Teilnehmer die Jugendleistungsprüfung bestanden, so ist er berechtigt, das Jugendleistungsabzeichen zur Feuerwehrdienstkleidung zu tragen, auch während seines weiteren Feuerwehrdienstes.
     
  3. Der Kreisbrandrat oder ein von ihm Beauftragter (z. B. der Schiedsrichter 1) bestätigt die erfolgreiche Teilnahme an der Leistungsprüfung im Dienstbuch oder sonstigen Nachweis über Leistungsprüfungen und händigt den Teilnehmern unmittelbar nach bestandener Leistungsprüfung die Leistungsabzeichen aus. Mit dem Leistungs- abzeichen kann ein Besitzzeugnis ausgehändigt werden.
    Abnahmeniederschrift mit Bewertungsblatt und Testblätter verbleiben beim Kreisbrandrat als Aktenbeleg.
     
  4. Bei Abnahme der Jugendleistungsprüfung außerhalb Bayerns stattet der Landes-Jugendfeuerwehrwart der Jugendfeuerwehr Bayern den Schiedsrichter 1 mit den notwendigen Unterlagen und Jugendleistungsabzeichen aus. Damit wird dieser in die Lage versetzt, den Teilnehmern unmittelbar nach bestandener Leistungsprüfung die Jugendleistungsabzeichen zu überreichen. Die Schiedsrichter 1 reicht die Abnahmeniederschrift beim Landes-Jugendfeuerwehrwart ein.

XI. Schlussbestimmungen


Die Richtlinien zur Durchführung der Jugendleistungsprüfung für die Feuerwehren Bayerns – Ausgabe 1995 – treten am 01. Januar 1995 in Kraft. Gleichzeitig treten alle früheren Fassungen dieser Richtlinien außer Kraft.




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