Katastropheneinsatz in Marloffstein und Spardorf

Einsatzübersicht 2007



Einsatzdaten
Einsatznummern: 20/07 - 27/07
Einsatzdatum: Samstag, 21. Juli 2007
Alarmuhrzeit: 21.30 Uhr
Einsatzende: 11.30 Uhr
Einsatzdauer: 14 Stunden
Einsatzort: Ortsgebiet von Marloffstein bzw. Spardorf
Schadensereignis: Hochwasser nach schwerem Unwetter
Katastropheneinsatz (THL groß)
eingesetzte
Feuerwehren:
Alle aus der VG Uttenreuth mit sämtlichen Fahrzeugen
und weitere aus den Landkreisen ERH und FO
eingesetzte
Kräfte*:
FF Buckenhof: 20 Personen
zusätzliche
Stellen:
THW (OV Baiersdorf und Erlangen)
Polizei
BRK (mit SEG)
DLRG
Wasserwacht
u. a. m.


Einsatzbeschreibung (wird noch erweitert)
Vorläufige Bilanz:
Nach Angaben des Landratsamtes liegt die Zahl der betroffenen Haushalte wie folgt:
  - Baiersdorf: 1.060 Haushalte
  - Bubenreuth: 200-300 Haushalte
  - Marloffstein: 50 Haushalte
  - Spardorf: 30 Haushalte
  - Atzelsberg und Rathsberg: 34 Haushalte
Die Stärkezahl der Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, ASB und BRK wird mit rund 1.370 Helferinnen und Helfern angegeben. Die genaue Höhe des entstandenen Schadens kann momentan noch nicht beziffert werden, er könnte sich jedoch auf bis zu 100 Millionen Euro belaufen.
Sonderseite des Landratsamts:  Informationen zur Unwetterkatastrophe


Erlebnisbericht  Neu!
Einsatzfoto #B1 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 58 KB
Einsatzfoto #B2 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 64 KB
Einsatzfoto #B3 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 76 KB
Aus dem Einsatztagebuch der FF Buckenhof:
Mit Tauchpumpe, Wassersauger und Notstromaggregat ist der Wasserstand unseres ersten Einsatzkellers nach einiger Zeit „unter Kontrolle“. Nur mit dem Wassersauger kann hier noch gearbeitet werden. Somit sind unser LF 16 mit der Fahrzeugpumpe sowie die Tauchpumpen frei. Die Zuteilung eines Folgeauftrages durch die Einsatzleitung scheitert am Durchkommen im Funk. Daher wird die Lage in den umliegenden Häusern nach einem weiteren Einsatz erkundet. Gemeinsam mit der FF Rathsberg nehmen wir sodann einen Keller in der Scheibelleithe in Angriff (Tauchpumpe von uns, Strom und Schläuche von der FF Rathsberg). Unser LF 16 bleibt weiterhin frei, da wir auch in den angrenzenden Kellern nur mit dem Wassersauger arbeiten könnten. Zu dieser Zeit schüttet es immer noch wie aus Eimern.

In diesem Moment kommt von einer Kameradin die Information, dass am Ende der Straße das Wasser in einem Haus bis fast zum Erdgeschoss steht. Als wir dort sind, finden wir ein stockdunkles Haus vor, der Strom ist weg, und vom Hang schießt das Wasser auf voller Hausbreite direkt durch den Garten in die Kellerfenster. Im Haus treffen wir eine Frau an, die verzweifelt das im Treppenhaus ansteigende Wasser mit Eimern abzuschöpfen versucht, nur noch zirka zwei Treppenstufen fehlen bis zum Erdgeschoss. Die Lage scheint aussichtslos, da mit dem LF 16 nicht über die Zufahrtswege an das Haus heranzukommen ist und die kleine Pumpe ganz sicher nicht ausreichen wird.

Doch dann die Idee: Wir drücken das LF 16 rückwärts in den Garten und pumpen den Keller mit der Fahrzeugpumpe leer! Somit bleibt nur das brachiale Vorgehen, und der Hauseigentümerin ist die Zerstörung des Gartens auch egal, Hauptsache das Wasser kommt nicht ins Erdgeschoss. Also im Starkregen eiligst zurück zum ersten Einsatzort und dem LF 16. Dort Lageabstimmung mit dem Kommandanten, Einteilung der Kräfte, Umrangieren des großen Fahrzeugs in den kleinen Weg und zu allem Überfluss muss nun auch noch die zweite Einsatzstelle der FF Rathsberg übernommen werden, da diese in den eigenen Ort abrücken muss. Es kommt einem alles wie eine Ewigkeit vor. Ob wohl die arme Frau in der Zwischenzeit denkt, wir haben sie vergessen?

Dann endlich steht das LF 16 vor dem Garten, der einem einzigen Sumpf gleicht. Jedoch scheint der Untergrund zu weich, das schwere Fahrzeug wird unweigerlich einsinken und womöglich nicht mehr rauskommen. Als wir der Frau erklären, dass wir nichts machen können, fragt sie den Tränen nahe, was sie denn nun machen solle...

Dann will es unser Maschinist doch wagen. Also Kettensäge raus, Gartenzaun weggesägt, Gebüsch entfernt und zeitgleich kuppelt der Rest der Mannschaft die sechs Stücke der Saugleitung. Rückwärts wird das LF 16 langsam in den Garten rangiert - natürlich sinkt es hinten ein, aber wir lassen die Vorderachse auf der Straße. Der erste Versuch, die Saugleitung direkt durch das Wohnzimmer ins Treppenhaus zu hängen, schlägt fehl: Leitung zu kurz. Also zweiter Versuch, die Saugleitung von Außen übers Kellerfenster neben der Terrasse zu führen. Hierfür wird das Abdeckgitter des Kellerschachts weggebrochen und das bereits unter Wasser befindliche Kellerfenster eingeschlagen. Als die Kellerscheibe birst, kommt uns eine riesige Flutwelle entgegen - der durch das eindrückende Wasser entstandene Druck im Keller kann nun schlagartig entweichen. Die Saugleitung wird in den sehr engen Schacht eingefädelt, was sich als äußerst schwierig erweist, und anschließend an die Pumpe angekuppelt.

Aber wohin sollen wir das Wasser eigentlich pumpen? Wir finden einen Gully, der noch aufnahmefähig scheint. Gully auf, zwei B-Schläuche rein und an den Pumpenabgang und los geht's: Mit über 1.000 Litern pro Minute wird das Wasser aus dem Keller befördert, das geht mehrere Stunden so. Aufgrund des anhaltenden Starkregens schießt vom Hang weiterhin das Wasser in den Keller. Irgendwann hat jemand die einfallsreiche Idee, oberhalb des Gartens eine gefüllte B-Leitung als Sperre zu legen, die das Wasser um den Garten herumleitet - und es funktioniert auch tatsächlich!

Nachdem diese Einsatzstelle nun läuft, verbringen wir das Notstromaggregat im Kofferraum eines Privatwagens (!) zur zweiten Einsatzstelle. Mit diesem kann dort die Tauchpumpe wieder in Betrieb genommen werden, sodass sich auch dieser Keller leert. Da es nach wie vor weiterschüttet, läuft der erste Keller zwischenzeitlich wieder voll. Es ist insgesamt eine recht frustrierende Situation!

Es gibt in dieser Nacht jedoch auch Positives: So kommen zu später Stunde (ca. 2 Uhr) Bürger vorbei, die uns warmen Tee bringen. Herzlichen Dank dafür! Außerdem ist das kleine Erfolgsgefühl, doch zumindest dieses eine Erdgeschoss gerettet zu haben, wenn auch der Gebäudeschaden schlimm genug sein dürfte.

Solche oder ähnliche Erlebnisse werden in dieser Nacht wohl auch viele andere Hilfskräfte in den betroffenen Gebieten gemacht haben.

Weitere Berichte anderer alarmierter Einsatzkräfte:


Einsatzfotos (Fotostrecken)
Zum Vergrößern der Fotos einfach ins jeweilige Bild klicken!
--- Eindrücke aus Marloffstein und Spardorf ---
Einsatzfoto #1 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 55 KB
Die FF Buckenhof nimmt sich in Marloffstein den ersten Keller vor.
Einsatzfoto #2 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 65 KB
Derweil pumpen ein paar Straßen entfernt die Wehren aus Uttenreuth und Weiher weitere Keller aus.
Einsatzfoto #3 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 46 KB
Über die (später komplett gesperrte) Straße von Marloffstein nach Uttenreuth ...
Einsatzfoto #4 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 47 KB
... strömen die braunen Fluten in alle Richtungen bergab.
Einsatzfoto #5 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 59 KB
Die Kanalisation war völlig überfordert: Am Ende der Wassergasse schwimmt ein Kanaldeckel auf.
Einsatzfoto #6 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 47 KB
Auch die SEG des BRK trifft schließlich in Marloffstein ein und geht in Bereitstellung.
Einsatzfoto #7 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 51 KB
Das THW Erlangen lädt in der Wassergasse Sandsäcke ab, um das bergab strömende Wasser zu kanalisieren.
Einsatzfoto #8 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 58 KB
Die Einsatzleitung hat sich im Marloffsteiner Gerätehaus niedergelassen (hier die EL-Fahrzeuge davor).
--- Eindrücke aus Baiersdorf und Umgebung (Sonntagvormittag) ---
Einsatzfoto #E1 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 74 KB
Aus der ganzen Region sind Hilfskräfte angerückt: Hier in Igelsdorf die FF Baunach aus dem Bamberger Norden.
Einsatzfoto #E2 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 93 KB
Keine Seltenheit: Total verwüstete Straßen wie hier in Igelsdorf.
Einsatzfoto #E3 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 74 KB
Mit großen Pumpen und großen Schläuchen wird die Baiersdorfer Hauptschule „entleert“.
Einsatzfoto #E4 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 60 KB
Auch am Sonntagmorgen finden sich In der Hut noch „abgesoffene“ Autos.
Einsatzfoto #E5 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 58 KB
Das THW beim Bergen von „Wasserfahrzeugen“ im Neubaugebiet In der Hut.
Einsatzfoto #E6 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 63 KB
Auch sonst steht In der Hut die Brühe noch immer auf den Straßen.
Einsatzfoto #E7 (Thumbnail)
JPEG | 420 x 560 Pixel | 51 KB
A73 Richtung Forchheim: Langsam weicht die braune Brühe zurück und gibt die Fahrbahn wieder frei.
Einsatzfoto #E8 (Thumbnail)
JPEG | 560 x 420 Pixel | 64 KB
A73 Richtung Möhrendorf: Abschleppen versumpfter Autos im Eiltempo und Reinigen der Fahrbahn.
--- Weitere Fotos aus den Katastrophengebieten folgen in Kürze! ---
Weitere Fotos von Pressefotografen:  Dia-Show auf nordbayern.de


Videoberichte
Hier finden sich einige externe Links zu Videomaterial:
Bayerischer Rundfunk - „Dreiste Diebe“:
   DSL , ISDN (RealPlayer-Videostream, 2:37 min)
Bayerischer Rundfunk - „Aufräumarbeiten in Bubenreuth“:
   DSL (RealPlayer-Videostream, 2:13 min)


Zeitungsartikel
Hier findet sich eine Auswahl an externen Links zu Text- und Bildmaterial:
Themenseite mit zahlreichen Artikeln (Nordbayerische Nachrichten, 22.07.2007)
Katastrophe ist noch nicht vorbei (Nürnberger Nachrichten, 01.08.2007)
Nach dem Hochwasser nur noch Verzweiflung (Nürnberger Nachrichten, 31.07.2007)
Kommentar: Die Flut in Franken (Nürnberger Nachrichten, 26.07.2007)
Erlangen: Massive Schäden im Osten (Nürnberger Nachrichten, 24.07.2007)
100-Millionen-Euro Schaden in einem Dorf (Süddeutsche Zeitung, 24.07.2007)
Rentnerin ertrinkt in überflutetem Keller (Spiegel Online, 22.07.2007)




Valid HTML 4.01 Stand: 15. August 2007 || Erstellt: 24. Juli 2007 || Webmaster: Sven Pöhlmann || © 2006-2007 FF Buckenhof