Lebensrettende Sofortmaßnahmen – Ergänzung

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Neue internationale Richtlinien zur Ersten Hilfe
„Volksweisheiten“ können gefährlich sein: Falsche Vorstellungen weit verbreitet

MÜNCHEN (dpa) - Nach neuen wissenschaftlichen Studien haben die Notfallmediziner mehrere Erste-Hilfe-Maßnahmen grundlegend geändert.
„Wir haben neue Kenntnisse in der Reanimation, bei Verbrennungen und Vergiftungen, die in früheren Kursen nicht vermittelt wurden“, berichtete der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Notärzte (Agbn), Prof. Peter Sefrin. Bei schweren Verbrennungen werde nicht mehr mit Wasser gekühlt, da viele Patienten mit Untertemperatur bis zu 32 Grad in die Kliniken gekommen seien. „In der Zwischenzeit sagen wir, man soll die Wärme erhalten, da die Haut durch die Verbrennung ihre schützende Funktion verloren hat“, sagte Sefrin zum Internationalen Tag der Ersten Hilfe am 8. September.
Auch das Erbrechen nach einer Vergiftung sei die falsche Therapie. Vielmehr werde das Gift durch den Notarzt mit einem Kohlepräparat neutralisiert. „Erbrechen ist aus der Erste Hilfe-Richtlinie gestrichen. Wenn ein Giftstoff aufgenommen wurde, kann man ihn dadurch nicht vollständig entfernen“, sagte der Landesarzt des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). „Wenn man erbricht und einatmet, kann das sogar noch gefährlicher sein, weil die Atemwege durch das Erbrochene verstopft werden können.“
Die häufigste Vergiftungsart sei nicht mehr die Schlafmittelvergiftung, sondern wegen des gestiegenen Konsums unter Jugendlichen die Alkoholvergiftung, bei der es kein „Gegengift“ gebe. Bei den 15- bis 19-Jährigen wurden 2004 fast 18 000 Alkoholvergiftungen registriert. Durch das beliebte „Flatrate-Trinken“ habe sich die Situation weiter verschlimmert.
Auch die Reanimation wird nun anders unterrichtet: Bei der Herzdruckmassage wird statt früher 15 Mal jetzt 30 Mal auf den Brustkorb gedrückt und erst danach beatmet. Das neue Vorgehen sei bei einer Konferenz in Dallas mit Spezialisten aus der ganzen Welt festgelegt worden.
Sefrin rief zur Auffrischung der Erste Hilfe-Kenntnisse auf. „Wenn jemand nicht seit Mai vergangenen Jahres in einem Kurs war, dann kennt er die neuen Regeln nicht.“
Außerdem würden noch völlig unsinnige Hausmittel angewendet, sagte Sefrin. „Da hört man heute noch, bei Verbrennungen solle man Zahnpasta aufstreichen und bei Vergiftungen Milch trinken.“ Letzteres sei sogar gefährlich, weil manche Stoffe so noch schneller in den Blutkreislauf gelangten.

EN vom Fr., 7. September 2007 - Seite 17




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